Belichtungsmesser im digitalen Zeitalter

Ich habe mich schon lange gefragt, ob es sinnvoll wäre, einen Belichtungsmesser zuzulegen. Eigentlich gibt es viele Gründe dagegen: Die heutigen Kameras messen sehr genau, man kann sich im digitalen Zeitalter ja an die richtige Belichtung herantasten, mit HDR kann man Fotos aufnehmen, die Szenerien über viele Blendenstufen hinweg perfekt wiedergeben und falls man mit Blitzen arbeitet funktioniert TTL ja mittlerweile auch sehr gut.

Diese Argumente stimmen zwar alle, doch ich habe mich von meinem Zahnarzt (Danke, Beni!) überzeugen lassen, dass die Investition in einen Belichtungsmesser wohl nicht die Schlechteste wäre. Erstens messen diese Geräte noch präziser als die Kameras und versuchen nicht, sämtliche Fotos auf ein mittleres Grau zu rechnen, zweitens erspart man sich lange „Pröbeleien“ und kann überraschend oft auf HDR verzichten. Dies hilft dann vor allem in der Postproduktion, weil man keine HDR-Fotos erstellen muss. Bezüglich Blitz sind diese Messgeräte ebenfalls hilfreich: Sie zeigen an, wie viel Anteil an der Belichtung der Blitz hat und wie gross der Anteil des Umgebungslichtes ist.

Messautomatik und TTL (also die Automatik im Blitz) sind wirklich sehr hilfreich und ich werde auch nach wie vor darauf zurückgreifen. Wenn ein Bild aber immer gleich sein muss (z.B. Portraits für eine Firma), dann muss man manuell fotografieren. Ansonsten können kleinste Veränderungen wie z.B. eine Wolke sämtliche Einstellungen verändern…

Diese Woche habe ich den Belichtungsmesser am Rheinfall getestet: Schönstes Sommerwetter, dunkle Schatten unter den Felsen und hellste Gischt. Daneben die Bäume, die ebenfalls eher dunkel sind. Ein klarer Fall für HDR, dachte ich. Dann nahm ich den Belichtungsmesser und „scannte“ mein Bild mit dem Spotmesser. Und siehe da, HDR war gar nicht nötig. Meine Kamera, resp. deren Sensor konnte den Dynamikumfang problemlos in einem Bild erfassen. Also suchte ich mir die hellste Stelle im Bild und stellte die Belichtung so ein, dass diese hellste Stelle gerade noch nicht überbelichtet wurde. Die Kamera warnte mich zwar, aber im Studio am Computer sah ich, dass ich keine überbelichtete Stelle im Bild hatte.

Beim folgenden Bild sind sämtliche Details in der hellen Gischt enthalten, die Schatten konnte ich in Lightroom problemlos aufhellen. Die Entwicklung des Bildes war also eine kurze Angelegenheit.

Rheinfall

 

 

 

 

 

Bei diesem Bild gibt es ca. 7 Blenden Unterschied zwischen den hellsten und dunkelsten Stellen. Auch hier hatte ich keine Überbelichtungen, obwohl mich die Kamera warnte. Die Schatten konnte ich aufhellen und habe sie dann noch „entrauscht“. Da die schattigen Bereiche hier aber relativ klein und unwichtig sind, war das auch kein Problem.

Masterfile_Riethüsli_aussen_4

 

 

 

 

 

 

 

Ich glaube jetzt schon, dass mein Zahnarzt recht hatte: Ich werde den Belichtungsmesser lieben lernen. Zwar braucht man länger, bis man abgedrückt hat,  muss  sich dann am Computer aber nicht mehr durch unendliche Belichtungen wühlen. Und was für mich als Profi sehr wichtig ist: Ich weiss, dass meine Fotos richtig belichtet sind und ich den Kunden somit das bestmögliche Resultat abliefern kann.

 

6 Antworten zu “Belichtungsmesser im digitalen Zeitalter”

  1. Beni sagt:

    Lieber Pädi
    Da freu ich mich doch riesig, dass ich dem Profi noch einen brauchbaren Input geben konnte. Viel Spass damit! Liebe Grüsse Beni

  2. Zeno sagt:

    Arbeite auch oft mit meinem Sekonic. Besonders cool ist, dass man damit die Pocketwizards ansteuern kann. Und mit Film und manueller Kamera ist das Ding eh Pflicht. Frage: Habt Ihr Eure Belichtungsmesser mit der Kamera kalibriert? Blicke da nicht genau durch…

    • Hallo Zeno
      Ja, ich habe meinen kalibriert (mit den Karten von Beni). In meinen Augen macht es Sinn, weil du dem Belichtungsmesser den Dynamikumfang (sprich über wie viele Blenden hinweg der Sensor noch Details abbildet) „beibringen“ kannst. Wichtig da scheint mir noch, dass du im Anschluss in der Software die Grenzwerte noch etwas nach aussen schiebst, da die Warnungen für Über- und Unterbelichtungen sonst sehr früh erscheinen.
      Ich habe für jedes meiner Objektive und jeder meiner Kameras eine Kalibrierung gemacht. Das wäre aber nicht notwendig, in meinen Augen. Die Werte sind bis auf ein paar Zehntel-Blenden identisch und ich nehme jetzt einfach immer +/- 3 Blenden. So bin ich sicher, dass nichts über- oder unterbelichtet ist. Alles klar? 🙂

  3. rr-james sagt:

    Ciao Patrick!
    Ich hoffe gerne, dass Du noch einen tollen und arbeitsintensiven Abend erleben „musstest“.
    Vielen Dank im voraus für das eine oder andere Bildli unseres Brautpaares von heute.
    Nachdem ich nun Deine Homepage etwas begutachtet habe, denke ich, dass Du Dir ganz zwingend einige m2 an der nächsten FHM 2015 sichern solltest. 2014 ca. 8500 Besucher, höchste Affinität zum Thema, Kontakt siehe auf meiner Website > Links.
    Aso … drauflos! Und Gruess von rr-james!

    • Hallo James

      Besten Dank für deinen Kommentar. Es ist alles gut gegangen, nur die Rückfahrt war abenteuerlich: Diverse Umleitungen und mein GPS am Rotieren… Aber ich bin angekommen, die Fotos sind sortiert und bald fertig bearbeitet. Ich schicke dir ein paar via E-Mail. 🙂
      Liebe Grüsse
      Patrick

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